J.B. Metzler

  • Katharina Delius befasst sich in diesem Band mit der Frage, wie die Sprechkompetenz im Fremdsprachenunterricht gefrdert werden kann. Dazu werden auf der theoretischen Ebene die Potenziale einer Synthese zweier aktueller fremdsprachendidaktischer Ansätze des generischen Lernens und der Dramapädagogik erarbeitet. Die angeschlossene Design-Based Research-Studie verfolgt eine doppelte Zielsetzung: einerseits einen theoretischen Erkenntnisgewinn zum gewählten didaktischen Ansatz, andererseits einen praktischen Output in Form empirisch evaluierter Unterrichtseinheiten zur fremdsprachlichen Sprechfrderung. Zudem werden über die drei Forschungszyklen Designprinzipien weiterentwickelt, die Lehrkräften für die Planung neuer Unterrichtseinheiten zur Verfügung stehen. Als Grundlage für die formative und summative Evaluation der Zyklen dienen Daten aus Videoaufnahmen, teilnehmender Beobachtung, Reflexionsgesprächen mit der beteiligten Lehrkraft, Interviews mit Lernenden in Fokusgruppen, Lernerprodukten sowie Evaluations- und Selbsteinschätzungsbgen aller beteiligter Schüler*innen.


    Die Autorin

    Katharina Delius ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Fachdidaktik Englisch der Georg-August-Universität Gttingen.

     

  • Im Rahmen der kritischen Kognitionslinguistik untersucht die Autorin kontrastiv das Konzept der Katastrophe in der deutschen und chinesischen Berichterstattung. Die Autorin nimmt das große Medienereignis der Tianjin-Explosionen sowohl in den deutschen als auch in den chinesischen Leitmedien als Beispiel und untersucht empirisch die unterschiedliche Textwelt über die Katastrophe, welche die Journalisten in den deutschen und chinesischen Leitmedien versuchen, im Kopf der Rezipienten aufzubauen. Um die aufgestellten Hypothesen zu belegen, dekodiert die Autorin aus der Perspektive der kritischen Kognitionslinguistik die unterschiedlichen sprachlichen Mittel wie Metaphern, Implikatur, Emotionale Implikatur, Schein-Evidenz, persuasive Strategien sowie Textstruktur etc. 

     

  • Der "Macht - Knoten - Fleisch. Topographien des Krpers bei Foucault, Lacan und Merleau Ponty" greift eine Reihe von Begriffen und Konzepten der drei Referenzautoren heraus, die für ein zeitgemäßes Verständnis des Krpers entscheidend sind. Bei Foucault wird der Krper von seiner Verflechtung mit Macht und Wissen her thematisiert. Die Knoten, die Krper machen und Krper-Raum-Verhältnisse vorstellen, sind für Lacan relevant. Und Merleau-Ponty bietet mit Stichworten wie der leiblichen Praxis, der Zwischenleiblichkeit oder des Fleisches des Welt weitere theoretische Facetten, die es zu berücksichtigen gilt. Der Band versteht sich nicht nur als ein Beitrag zu einem Dialog über den Krper zwischen Genealogie, Psychoanalyse und Phänomenologie. Sondern der Band ist als Brückenkopf für einen Wissenstransfer zu anderen Krperwissenschaften konzipiert. Er richtet sich daher an Lehrende, Forschende und Lernende aus Disziplinen, die sich mit dem Krper beschäftigen. Gleichermaßen soll er interessierten Laien ein Werkzeug zur Einordnung und Bearbeitung von neuen Phänomenen in, an und mit dem Krper an die Hand geben.

  • Im Jahr 1780 verfasste der junge Friedrich Schiller als Prüfschrift am Ende seines Medizinstudiums eine lateinische Errterung über verschiedene Fieberarten. Der nur in einer Fassung von Schillers Hand überlieferte Text überzeugte die damaligen Prüfer nicht; stattdessen wurde ein deutschsprachiger Versuch über den Zusammenhang der thierischen Natur des Menschen mit seiner geistigen als Abschlussarbeit angenommen. Dennoch fasziniert diese Dissertation Schillers bis heute, denn sie führt wie kein anderer Text sein überragendes, an der klassischen Antike geschultes Latein vor Augen. Zeitgleich zur Entstehung der Räuber gelingt es dem Dichter, ein sprdes Thema aus der Pathologie als Kampf, Widerstand, Sieg und Niederlage metaphernreich zu dramatisieren und dabei die zeitgenssischen medizinischen Konzepte kenntnisreich in Frage zu stellen. Dem sorgfältig transkribierten lateinischen Text sind eine neue Übersetzung sowie ein ausführlicher medizinhistorischer Kommentar sowie ein Glossar beigegeben, der den Inhalt im Spiegel der zeitgenssischen Wissenschaft verständlich macht.

  • Carl Einstein (1885?1940) war einer der bedeutendsten Schriftsteller, Kunstkritiker und Theoretiker der Avantgarde des 20. Jahrhunderts. Er war auch ein Mann der Tat, kämpfte in Berlin auf Seiten von Spartakus und in der Kolonne Durruti in Spanien gegen Reaktion und Faschismus. In seiner Korrespondenz spiegeln sich alle Strmungen und Konflikte, die Literatur, Kunst und Politik Europas bewegten. Er wechselte Briefe mit bekannten Grßen der Kunstgeschichte wie etwa Picasso und Paul Klee. Daniel-Henry Kahnweiler, der Pariser Kunsthändler, wurde sein Freund. Für seine legendäre Zeitschrift Documents korrespondierte er mit Gelehrten aus aller Welt. In Einsteins Briefen erfährt man auch von vielen Projekten, die er nicht vollenden konnte. Von seiner weitaus bedeutenderen Korrespondenz haben sich 425 Texte, einschließlich offener Briefe oder auch briefartiger Widmungen, erhalten. Sie werden chronologisch geordnet, detailliert kommentiert und mittels eines Personen-, Werk- und Zeitschriftenregisters erschlossen. Franzsische Briefe werden übersetzt. Carl Einsteins Briefwechsel stellt für literatur- und kunst-, aber auch für sozialgeschichtliche Forschungen zum 20. Jahrhundert reichhaltiges Material zur Verfügung.

  • Gehrt es zu einer liberalen Gesellschaft und einer humanen modernen Medizin, dass Menschen aktiv aus dem Leben scheiden und sich dabei helfen lassen dürfen? Ethische Diskussionen über Sterbehilfe entzünden sich meist an Fällen unheilbar kranker Patienten, die ihr Leben nicht länger ertragen wollen. Während diese Kranken nach geltendem Recht und weit geteilten Überzeugungen auf lebenserhaltende Therapien aller Art verzichten dürfen, wird sehr kontrovers beurteilt, ob sie sich als ultima ratio auf ihr Verlangen hin tten oder bei einem Suizid unterstützen lassen dürfen sei es durch Ärzte, Angehrige oder Sterbehilfevereine. Meinungsführende Kritiker warnen davor, dass Patientensuizide zur Normalität werden knnten, beschwren die Unvereinbarkeit tdlicher Hilfe mit dem ärztlichen Ethos und befürchten Ausweitungen auf andere Personengruppen, etwa auf hochbetagte Menschen, die nicht schwer krank, wohl aber lebensmüde sind. Doch lässt man sterbewillige Patienten mit dieser Tabuisierung nicht auf unmenschliche Weise alleine? Und sollte nicht das Recht auf Selbstbestimmung gerade in solch existentiellen Angelegenheiten wie dem eigenen Lebensende respektiert werden? In profunder Kenntnis der langjährigen medizinethischen Debatten analysiert Bettina Schne-Seifert die Landschaft der Sterbehilfe-Fragen und -Argumente und verteidigt entschieden eine liberale Position zur Suizidhilfe.

  • Worüber und wie unterhalten sich Theaterbesucher*innen in der Pause? Diese Fragen bilden den Ausgangspunkt des vorliegenden Bandes. Der Fokus liegt dabei auf der in Pausengesprächen elementaren aber unerforschten kommunikativen Rekonstruktion. Die Autorin identifiziert anhand authentischer Pausengespräche innovative kommunikative Muster der Vergegenwärtigung (z.B. die reinszenierende Theaterrekonstruktion oder die theaterangeregte Rekonstruktion persnlicher Alltagserlebnisse). Ausgehend von diesen Mustern zeigt sie die gesellschaftliche Relevanz des Theaterpausengesprächs als Ort der kollektiven Wirklichkeits- und Identitätskonstruktion auf.

  • In diesem Open-Access-Buch wird untersucht, welche akustischen Eigenschaften Füllpartikeln wie äh und ähm in spontansprachlichen Dialogen des Deutschen zeigen und welche linguistischen Kontexte dabei auf welche Weise ihre akustische Form beeinflussen. Malte Belz betrachtet hierfür die phonetischen Parameter Dauer, Tonhhe, Vokalqualität sowie Phonationsmodus und analysiert den Einfluss dreier granular verschiedener Kontextebenen auf die Form: die Mikroebene enthält Annotationen der adjazenten Laut- oder Pausenumgebung, die Mesoebene erfasst Intonationsphrasen und auf der Makroebene sind dialogstrukturelle Einheiten wie Fragen oder Antworten annotiert.Der Intonationsphrasenkontext übt den deutlichsten Effekt auf Füllpartikeln aus so ist am Phrasenanfang ihr Vokal offener, während am Phrasenende ihre Dauer länger und ihre Tonhhe tiefer ist. Dieses Ergebnis wird komplementiert durch Effekte auf der Mikroebene, während der Einfluss der Dialogstruktur inkonsistent bleibt. Die vorliegende Untersuchung zeigt damit, dass die Realisierung von Füllpartikeln wie andere Wrter auch allgemeinen prosodischen Prinzipien folgt.

  • Die Frage nach dem Menschen ist heute im Zeitalter der zunehmenden Verschmelzung von Mensch und Technik (Cyborgisierung), der Genom-Editierung und der fortgeschrittenen Naturalisierung des Menschenbildes aktueller denn je. Der Autor präsentiert hier erstmals eine systematische und prägnante Darstellung der Idee einer neuen Anthropologie, welche die mundanen, transzendentalen und transphänomenalen Aspekte des Menschseins gleichermaßen berücksichtigt und die Reduktion des Menschen auf seinen biologischen Krper zurückweist. Diese Fundamentalanthropologie genannte Disziplin versteht sich als philosophische Grundlagendisziplin und als Herzstück der Philosophie als allgemeiner Anthropologie. Außerdem werden in diesem Band zentrale und aktuelle philosophische Themen wie Selbstbewusstsein, Identität des Ich, das Wesen des menschlichen Geistes sowie die Zukunft des Menschen erstmals zum Gegenstand fundamentalanthropologischer Analysen gemacht.

  • Kleist-Jahrbuch 2020

    Collectif

    Das Kleist-Jahrbuch 2020 dokumentiert die Verleihung des Kleist-Preises 2019 mit den Reden der Preisträgerin Ilma Rakusa, der Vertrauensperson der Jury Yoko Tawada und des Präsidenten der Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft Günter Blamberger. Abhandlungen zu Kleists Werken, Miszellen zum Umfeld Kleists, Nachrufe auf Hans Joachim Kreutzer und Alexander Weigel sowie Rezensionen wissenschaftlicher Neuerscheinungen zu Kleist beschließen den Band.

  • Das Anna Seghers-Handbuch gibt einen umfassenden Überblick über das Gesamtwerk der Autorin von den frühen Texten und Erzählungen der 1920er Jahre bis zu ihrem Tod im Jahr 1983. Im Zentrum stehen neben der Betrachtung ihres Lebens als Jahrhundertschicksal die Erschließung ihrer literarischen, poetologischen und essayistischen Schriften vom Früh- über das Exil- und Nachkriegswerk bis zu den Texten nach 1967. In diesem Zusammenhang werden prägende Lebens- und Kulturräume der Autorin sowie ihr kulturelles und kulturpolitisches Engagement bis zu ihrer Präsidentschaft des Schriftstellerverbandes der DDR beleuchtet. Die nationale und internationale Rezeption ist ein weiterer Schwerpunkt. Die Betrachtung der Polarisierung des Urteils zu Seghers nach 1989 zeigt die Mglichkeit differenzierter Wertungsstrategien.

  • Im Namen der Res Publica in den Krieg zu ziehen bedeutete für rmische Feldherren nicht nur, das Heer zu kommandieren, es bedeutete auch, die Verantwortung für die Kommunikation mit den Gttern zu tragen. Janico Albrecht zeigt, dass neben dem Schlachtfeld auch die stadtrmische Heimatfront ein Ort für religise Inszenierungen des Krieges darstellte. Auch jenseits des Triumphs kam der Religion eine wichtige Rolle für die Vermittlung des fernen Kriegsgeschehens zu. Spätrepublikanische Feldherren wie Sulla, Pompeius und Caesar werden als religise Akteure unter Gesichtspunkten wie dem Eingehen auf unterschiedliche Publika sowie der Fortführung ihrer Ansprüche in der Memoirenliteratur untersucht. Ihre Inszenierungen gttlicher Nähe und religiser Autorität spielten in der antiken Erinnerung oft eine wichtigere Rolle als ihre militärischen Leistungen und trugen entscheidend zur literarisch fassbaren Wahrnehmung des Krieges in Rom bei.

  • Die Beiträge des Bandes stellen die Frage nach der Zweckmäßigkeit und Produktivität von Kunst und verhandeln diese im Spannungsfeld von Autonomie und Funktionalisierung. Aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven werden die Spielräume zwischen Kunst und gesellschaftlicher Praxis in den Blick genommen und Funktionen und Wirksamkeiten künstlerischer Praxis in Bezug auf gesellschaftliche Bereiche wie das Soziale oder das Politische diskutiert. Dabei finden zeitgenssische Phänomene in verschiedenen Bereichen der performativen und bildenden Künste besondere Beachtung. Den Leserinnen und Lesern werden neue Perspektiven auf Kunstphänomene erffnet, die als künstlerische Praxis in prägnanter Weise den autonomen Bereich der Künste verlassen.

  • Berlioz, Wagner und Liszt gelten als Protagonisten der sogenannten neudeutschen Schule. Dieses Phänomen bildete im 19. Jahrhundert den Kristallisationspunkt eines Paradigmenwechsels, der sich von der Musikkritik ausgehend bis auf die europäische Kulturgeschichte auswirkte. In nie zuvor dagewesener Weise wurden die Bedeutung von Musik und Gesellschaft miteinander verknüpft, zu großen utopischen Entwürfen gebündelt und Geschichte konstruiert. - Die vorliegende Quellenedition versammelt Beiträge aus zeitgenssischen deutsch-, englisch- und franzsischsprachigen Musikzeitschriften aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die polemisch geführte Debatte um die neudeutsche Schule ist mit über 150 Artikeln dokumentiert und umfassend kommentiert. Erschlossen wurde der Zeitraum von 1845 bis zum Tod der ideologischen Initiativkraft, Franz Brendel, im Jahr 1868. Die bis heute nachwirkende Polarität von Fortschrittspartei und Konservativen, ebenso die Selbstverständlichkeit des Begriffs neudeutsche Schule werden kritisch hinterfragt, differenziert und in neuem Licht dargestellt.

  • Nicole Pppel skizziert in ihrer Literatur- und Mediengeschichte das lebendige, ambivalente Medienschaffen der Pariser Bohème Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Autorin bringt dem deutschsprachigen Publikum die Generation der Bohème näher, durch die sich dieses Milieu medial nachhaltig als populäres Milieu etablierte. Sie untersucht dazu die Generation der zweiten Bohème mit Autoren wie Henry Murger (Szenen aus dem Leben der Bohème) und Charles Baudelaire (Die Blumen des Bsen) als Medienproduzenten und Medienkritiker. Die jungen, oft unbekannt gebliebenen, meist prekär lebenden Autoren wirkten im Spannungsfeld aus Selbstbehauptung und Abgrenzung vom etablierten Literatur- und Kulturbetrieb und der großen Tagespresse und prägten die Pariser Öffentlichkeit von den 1840er bis 1860er Jahren fundamental mit. 

  • Wo die Sprache aufhrt, fängt die Musik an. Was der Dichterkomponist E. T. A. Hoffmann  aussprach, verfolgen die in diesem Band versammelten Essays zunächst an literarischen Beispielen: Schiller, Tieck, Hlderlin, Balzac, Jahnn und anderen. Die Perspektive ist dabei eine doppelte einmal wie Musik zum Gegenstand von Literatur wird, zum andern wie Texte von der Musik aufgegriffen werden und in ihr weiterwirken. Im Mittelpunkt steht die Oper, mit bekannten Meisterwerken von Mozart, Beethoven, Rossini, Smetana, Wagner und Strauss. Ins Blickfeld geraten aber auch selten gespielte Opern des jungen Verdi, Oratorien Schumanns sowie die Solitäre gänzlicher Außenseiter wie George Enescu oder Frank Martin. In 25 Werkporträts schließt Uwe Schweikert sie für die Leserinnen und Leser unter musikalisch-dramaturgischen Aspekten auf, betrachtet das Verhältnis von Libretto und Musik und macht auf eindringliche Weise deutlich, wie die Opern in ihrer Zeit stehen und zugleich je ganz eigene ästhetische Lsungen gestalten.

  • Mit dieser Edition von Kleists Handschrift »Der zerbrochne Krug« wird eine textgenetische Darstellung vorgelegt, die Kleists zahlreiche, teilweise komplexen Textänderungen en detail rekonstruiert. Methodisches Instrumentarium für die Rekonstruktion bildet die Handschriftanalyse. Wesentliches Ergebnis der Rekonstruktion ist die chronologische Darstellung der einzelnen Versvarianten und ihrer vers­übergreifenden Bezüge. Sofern die Versfassungen sich unterscheiden, werden auch die Fassungen der ­»Phbus«­Fragmente und des Erstdrucks mitgeteilt. Auf diesem Weg entsteht ein komplexes Bild der zahlreichen Übereinstimmungen und Abweichungen der unterschiedlichen »Krug«-Textzeugen, deren dichtes Beziehungsgeflecht hier erstmals systematisch und vollständig erfassbar ist. Abgeschlossen wird der Band mit einer Untersuchung zur Entwicklung von Kleists Handschrift, deren Methodik diese Edition erst ermglicht hat. Die Darstellung wird unterstützt durch den Abdruck zahlreicher Faksimile-Ausschnitte. Die Edition erscheint als Sonderband des Kleist-Jahrbuchs.

  • Die Geschichte der Philosophie ist eine Geschichte des denkenden Sehens. Zwar bedeutet dieses Sehen Aufklärung, jedoch wächst kulturgeschichtlich zugleich seine Tendenz zum instrumentellen Registrieren, zur Okulartyrannis. Es sind die im Zuge dieses Prozesses vernachlässigten Potentiale des Hrens, die einen kritischen Einspruch gegen solche Verdinglichung geltend machen knnen. Diese These der späten Arbeiten Ulrich Sonnemanns nimmt Martin Mettin zum Ausgangspunkt. Dabei rekonstruiert er entlang des Sonnemannschen uvres die Untergrundgeschichte einer verdrängten Philosophie des Hrens. Aufklärung erweist sich hier als Forderung nach Hellhrigkeit, nach einer sensiblen Aufmerksamkeit für die von Widersprüchen verdunkelte Welt. Erstmalig stellt das vorliegende Buch alle Werkphasen Ulrich Sonnemanns in ihrem systematischen Zusammenhang dar und ruft damit einen zu Unrecht vergessenen Denker des 20. Jahrhunderts wieder ins ffentliche Bewusstsein. Im Zentrum steht Sonnemanns Ansatz der Negativen Anthropologie (1969). Anhand dieser ergründet der Autor die philosophische Bedeutung von Hrerfahrungen im Zusammenspiel von Ideen- und Zeitgeschichte, Erkenntnistheorie, Sprachphilosophie und Psychoanalyse.

  • Dieses Open-Access-Buch geht der Zeitreflexion im Feld der Novellistik nach und ergründet Erzählstrategien und -logiken der literarischen Vertextung von Zeit, ihre funktionale Einbindung wie auch ihre selbstreflexive und poetologische Gestaltung in Texten. Die Grundlage bildet ein fundiertes, semiotisches Analyseinstrumentarium. Berücksichtigt wird eine breite Textauswahl mit Werken unter anderem von Büchner, Eichendorff, Gutzkow, Hauff, Hebbel, Mundt, Stifter und Tieck.Den historischen Abschnitt zwischen Goethezeit und Realismus kennzeichnet ein Selbstverständnis als Zwischenphase, in der merklich etwas zu Ende geht, ohne dass bereits etwas Neues begonnen hätte. Verankert ist dieser Problemkomplex in einer epocheneigenen Reflexion von Zeit, deren Spezifik in der Verbreiterung des Zukunftshorizontes und dem Auseinanderklaffen von Zukunftsvorstellung und
    -realisierung liegt. Dabei stellt sich heraus: Die Zukunft als epistemischer Dreh- und Angelpunkt der Zwischenphase ist hochgradig relevant, flexibel und imponderabel. Der Autor:Stephan Brssel forscht und lehrt als Privatdozent und Akademischer Rat a. Z. am Germanistischen Institut der WWU Münster, Abteilung Neuere deutsche Literatur, Schwerpunkt: Literatur und Medien.  

     

  • Mit der rekonstruierenden Textanalyse der Preisschrift über die Fortschritte der Metaphysik (1804) und der drei Kritiken hat der Autor den Begriff der eigentlichen Metaphysik Kants zum Inhalt. Demnach wird die Hauptfrage der kantischen Metaphysik als die Frage nach der Mglichkeit der Erkenntnis von den übersinnlichen Prinzipien der Natur bestimmt. Die Grundmethode zur Kants Antwort auf diese Frage bezeichnet der Autor als praktische Regulation der Natur, in der die reine praktische Vernunft ihrem notwendigen Bedürfnis gemäß die reflektierende Urteilskraft dazu leitet, nach dem System der praktisch postulierten Prinzipien (Gott, Freiheit und Unsterblichkeit) eine moralisch-zweckmäßigen Natur zu regulieren. Durch dieses methodische Verfahren zeichnet sich die kantische Metaphysikkonzeption aus, die ihrerseits aber auch auf die aristotelische Tradition zurückbezogen ist.

    Yuwei Xie promovierte in Philosophie an der Universität Heidelberg und arbeitet derzeit am Philosophischen Seminar der Sun Yat-sen Universität in Guangzhou, China. Seine Forschungsschwerpunkte sind klassische deutsche Philosophie und Phänomenologie.

     

  • Grundannahme dieses Buches ist es, dass Subjekte einem Bildungsprozess unterliegen, der hauptsächlich durch deren Sozialität bestimmt wird. Constanze Junker vertritt dabei die These, dass der soziale Subjektivierungsprozess selbst seine Mglichkeitsbedingungen für radikale Befreiung enthält. Diese Mglichkeitsbedingung auch politischer Widerständigkeit beruht auf einer absoluten Negativität, die sich aus der Sozialität der Subjektivierung ergibt. Verbindungsglied der Theorie sozialer Subjektivierung mit Befreiung ist ein Existenzstreben. Dieses wird - anders als bei Butler - selbst als sozial konstituiert und als Ressource absoluter Negativität beschrieben.

  • Es gibt eine Vorgeschichte des Ehebruchromans, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einem gesamteuropäischen literarischen Paradigma wurde. Im Zuge der Franzsischen Revolution entsteht eine säkulare Ehegesetzgebung, die einen metaphorischen Überschuss produziert, der bis heute wirksam ist. Das Buch zeichnet rechtshistorisch und anhand kanonischer literarischer Texte von Rousseau über Goethe und Manzoni bis hin zu Hugo und Flaubert nach, wie die Ehe um 1800 zu einer Reflexionsfigur für den modernen Nationalstaat werden konnte. Dabei entstehen originelle Beiträge zur Philologie der einzelnen Texte. Zugleich werden Recht und Literatur für eine historische Semantik von Gesellschaft und Gemeinschaft fruchtbar gemacht. 

  • Büchner wieder lesen, heißt die eigene Lage schärfer sehn. So umschreibt Christa Wolf die ungebrochene Aktualität Georg Büchners, dessen vielschichtiges uvre bis heute immer wieder zum Nachdenken auffordert. Neben Beiträgen zur Rezeption und Wirkung bietet das Handbuch detaillierte Analysen der Einzelwerke, die sowohl die Entstehungs- und Gattungsgeschichte als auch die gängigen Forschungsansätze berücksichtigen. Zudem beleuchten interpretatorische Querschnitte durch das Gesamtwerk übergreifende Themenfelder wie z. B. Religion, Biopolitik, Geschlecht, Recht und Strafe, Melancholie und Wahnsinn, Automaten und Marionetten, Dokumentation und Fiktion.

  • Das Handbuch informiert umfassend über die Literatur für Kinder und Jugendliche in verschiedenen Medien und fasst den Stand der Forschung in diesem Bereich sowohl diachron als auch synchron zusammen. Es deckt eine Vielzahl von Erzählmedien wie  Bilderbuch, Computerspiel, Film oder Theater ab und akzentuiert aktuelle Themen wie All Age-Literatur, Medien- und Produktverbund sowie Inter- und Transmediales, Digitales und Serielles Erzählen. Methodische Zugänge und kulturwissenschaftliche Aspekte werden ebenfalls thematisiert, der Didaktik ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

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